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VisitorPosted - 24 November 2005 18:2  Show Profile  Email Poster  Edit Message
The "Tagesspiegel" writes today: "Die Krankheit Leben

Triumph in Trance: Isabelle Huppert zelebriert Sarah Kanes „4. 48 Psychose“ im Haus der Berliner Festspiele

Von Rüdiger Schaper

Gibt es ein ernsthaftes Theaterstück, das sich nicht mit dem Tod ins Benehmen setzt? Von Büchner bis Beckett, von den Griechen zu Pinter, Koltès und Jon Fosse: Die Bühne lehrt mit dem Sterben umzugehen. Weil das Theater selbst, mehr als jede andere Kunstform, von dem Moment an, da das Spiel beginnt, der Sterblichkeit anheim fällt. „Bitte öffnet den Vorhang“: die letzten Worte im letzten Stück von Sarah Kane, „4. 48 Psychose“. Sie war nicht einmal dreißig, als sie sich das Leben nahm, im Februar 1999. Der Zeitpunkt und die Umstände ihres Todes haben ihre Klassischsprechung beschleunigt.

Erschütterungen lösten ihre Texte aus, als alles begann: 1995 im Londoner Royal Court Theatre mit der Uraufführung von „Zerbombt“. Kein Wunder: Mit hartem Realismus haben die Theater in England und in Deutschland Sarah Kanes Dramen abgebildet. Thomas Ostermeiers Schaubühne tat sich besonders hervor, hier wurden alle fünf Kane-Stücke inszeniert, gleichsam naturgetreu. Auch Peter Zadek hat sich Sarah Kane, als er in Hamburg bei „Gesäubert“ Regie führte, mit handgreiflichem Horror genähert.

Dass rücksichtsloser Realismus bei Sarah Kane nicht das letzte Wort und eher die zweitbeste Lösung ist, zeigte der Pole Krzysztof Warlikowski. Seine Version von „Gesäubert“ weitete den Blick: mit ihrer schwebenden Poesie, ihrer brutalen, zärtlichen Menschlichkeit. Und jetzt sehen wir Isabelle Huppert in „4. 48 Psychose“ bei der „Spielzeiteuropa“. Wieder hat sich die Perspektive verschoben.

Eine Schockstarre. Unbeweglich, mit hängenden Armen, steht die 50-jährige Französin, der Filmstar, bald zwei Stunden im leeren Raum. Nein: Sie ist mit dem Bühnenboden verwachsen. Ein Gorgonenhaupt, aus dessen Augen manchmal eine Träne quillt. Wer hinschaut, ist verloren. Die größte Schwierigkeit besteht darin, ein Wort zu finden, das ihre Sprechweise beschreibt. Ein Leiern, ein Singen, mit hochgezogenen Endsilben, ein Leiden schon jenseits des Schmerzempfindes, hoch musikalisch. Ein Requiem.

Muss ein Akteur Empfindungen haben oder leer sein: Diderots Paradox vom Schauspieler kann keiner beantworten. Oder doch? Isabelle Huppert spricht Sarah Kane wie ein Medium, es ist schier unerträglich – unerklärlich allemal –, wie dieses Gesicht sich verändert in seiner scheinbaren Bewegungslosigkeit. Das Gesicht einer Fünfzehnjährigen plötzlich, das Gesicht einer alternden Frau, die das Leben hinter sich hat, und plötzlich auch: das Antlitz eines androgynen Wesens. Das Publikum ist ihr ein Spiegel, diese Medusa ist selbst zu Stein erstarrt. Ein Monolog vor dem Gazevorhang (der sich auch am Ende nicht öffnen wird). Dahinter ein Mann, Gérard Watkins; Fragensteller, Stichwortgeber, Arzt und Alter Ego, im endgültigen Verschwinden begriffen.

Claude Régys Inszenierung, so konsequent schmucklos, streng und kompromisslos sie erscheint, schreckt vor der letzten Konsequenz zurück. Denn sie braucht keinen zweiten Mann, keinen Mitspieler. Diese Frau ist allein, wie ein Mensch nur allein sein kann. Der Selbstmordgedanke, um den der Monolog kreist, ist Reflexion über Kunst, über das Schreiben, die Liebe. Vielleicht ist sie schon gestorben; Eurydike, die kein Orpheus mehr findet.

Der 82-Jährige (!) gilt als kompromissloser Zeremonienmeister zeitgenössischer Texte. Die Sprache steht im Zentrum des Régy-Theaters, und er hat Opern inszeniert. Das spürt man: Isabelle Huppert hypnotisiert den (verkleinerten) Saal im Berliner Festspielhaus. Es ist – und wir hören doch Sarah Kane, wenn auch auf Französisch, was sie abstrakter, philosophischer, feiner klingen lässt, baiser statt ficken – wie eine Kleist’sche Trance. Kleist, auch er ein Todesbote.

Das Wahnsinnigste aber ist, es liegt nicht die geringste Anmaßung darin, wie Isabelle Huppert Sarah Kanes Schreiben mit den Lippen nachbildet. „Ich hab kein Verlangen nach dem Tod/welcher Selbstmörder hatte das schon“. Als entstünde der Text im Augenblick. Hier. Jetzt."

ElmexPosted - 25 November 2005 4:56  Show Profile  Email Poster  Edit Message
I saw it last night. To make it short: I have never seen anything like that in my whole life. Isabelle Huppert is the best actress in the world, there's no doubt about it. Plus the whole production is great, and so is Gerard Watkins. Simply amazing!
VisitorPosted - 25 November 2005 19:6  Show Profile  Email Poster  Edit Message
© Leipziger Volkszeitung vom Freitag, 25. November 2005

Isabelle Huppert als Frau, als Gesicht und als Text

Es gibt solche Abende. Wenn auch sehr selten. Man geht ins Theater, mit einer gewissen Erwartung: an das Stück, an die Protagonisten, auch an sich selbst. Man hofft ja darauf, dass man hinterher ein Anderer ist, oder dass sich irgend-etwas in der Wahrnehmung der Welt geändert hat.
Dieser Tage hat sich dieses Seltene ereignet, im Haus der Berliner Festspiele: Das Theater hat diejenigen, die es besucht haben, verändert. Für Sekunden steht alles still. Die Zeit, der Raum, die Welt. Und mittendrin diese Frau, wie versteinert. Völlig erschöpft, vermutlich am Rande des Zusammenbruchs. Physisch wie psychisch. Isabelle Huppert. Vielleicht eine der beeindruckendsten Darstellerinnen, die man in der jüngeren Vergangenheit erlebt hat. Unfasslich, was sie soeben geleistet, und vor allem: wie sie es geleistet hat, nein: zur Vollendung gebracht.

Das Stück, das sie spielt, verlangt in gewisser Weise danach. "4.48 Psychose" ist das letzte Drama von Sarah Kane. Fünf Tage vor ihrem Suizid überreichte sie, die nicht einmal 29-jährige hochmögende Dramatikerin, ihrer Agentin das fertige Manuskript. Das war im Februar 1999. Und irgendein arroganter Kritiker einer großen deutschen Zeitung meinte damals, es würde nicht viel bleiben von ihrem Werk. Tja, so kann man sich irren.

Denn hier, an diesem tristen Novemberabend, beim Festival "spielzeiteuropa", lebt das Werk, lebt zumal dieses Drama, das man durchaus als opus summum der britischen Autorin begreifen kann - wenn es auch schwer fällt, die Dimensionen, die darin enthalten sind, ganz und gar zu begreifen; zu tief reicht der Abgrund, um ihn ganz zu schauen. Eine leere Bühne, schwarzer Kasten, mehr braucht es nicht. Claude Régy, der "4.48 Psychose" 2002 im Pariser Thé‰tre des Bouffes des Nord herausbrachte und dessen Inszenierung nun in Berlin gastiert, hat das begriffen; seine Lösung ist schlicht genialisch zu nennen. Weil sie alles, was das Stück einfordert, in die Tat umsetzt. Weil sie die Eitelkeit des Regisseurs außer Kraft setzt. Weil sie dem Wesen des Textes auf den Grund geht.

Ein anthrazitfarbener, durch diversifizierenden Lichteinschlag transparent gemachter Vorhang trennt die weibliche Person, die in der Mitte des Raumes steht, von dem Mann in ihrem Rücken. Gérard Watkins ist der Psychiater aus dem Stück. Aber er ist mehr. Er ist Liebhaber, Freund, Bruder, Betrachter. Und er ist das Publikum, das sich Sarah Kane vorgestellt haben mag. Er ist der Spiegel, in den sie schaut. Der Spiegel, der sie fragt, hinterfragt. Der ihr Innerstes unter die Lupe legt.

Watkins trägt eine rote Stoffhose, ein orange-leuchtendes, kurzärmeliges T-Shirt. Isabelle Huppert, seitlich vor ihm, eine braun schimmernde Lederhose und ein blaues, kurzärmeliges T-Shirt. Auch sie ist nicht nur eine Figur. Sie ist Frau, Kind, Mädchen, ist Gesicht, Geist, Materie. Sie ist Materie mit Geist, sie ist sogar Geist ohne Materie. Kurz: Sie ist vieles. Aber vor allem eines: Essenz. Textuelle Essenz. Wenn an einigen Stellen in "4.48 Psychose" vom Verschwinden die Rede ist, dann wissen wir mit einem Mal, was das meint: dieses völlige Verschwinden des Körpers im Text.

Es ist faszinierend. Wir sehen Theater, aber kein Schau-Spiel. Keine Bewegung. Keine Aktion. Wir sehen Text. Nichts anderes als das: Text. Isabelle Huppert ist dieser Text. Starr wie eine Säule steht sie dort, meist von einem Lichtrechteck gerahmt, die Beine in den Bühnenboden geschraubt, die Arme an den Körper geschmiegt, beinahe daran gedrückt, die rotblonden Haare zu einem mehr als strengen Zopf am Hinterkopf zusammengebunden. An manchen Textstellen spreizt Isabelle Huppert den kleinen Finger der linken oder der rechten Hand ab. Ein Zeichen, winziges Signal. Ansonsten bleibt sie bewegungslos. Nur die Gesichtsmuskeln und die Stimmbänder arbeiten. Einhundertunddrei Minuten lang. Erst in den letzten beiden öffnen sich die Hände. Wenn Huppert sagt: "Schauen Sie mir zu."

Und so geschieht das kleine Wunder. Es ist ohne Zweifel Isabelle Huppert, die da vorne auf der Bühne steht. Doch mehr als einmal glaubt man das nicht. Weil der Mensch, der dort steht und spricht und nichts anderes tut, mehrere Metamorphosen durchläuft. Wohl kaum je zuvor haben wir im Theater eine solche Wandlung gesehen, die allein durch veränderte Mimik möglich wird. Das vielleicht ist das eigentlich Unglaubliche an diesem Abend. Dass der Text von Sarah Kane, der das Unbedingte sucht, der zwischen Leben und Tod hin und her pendelt, um sich dann dafür zu entscheiden, dass es keinen Unterschied gibt zwischen Leben und Tod, derart sichtbar gemacht ist.

Sarah Kane beendete ihr Leben mit einiger Wahrscheinlichkeit, weil sie es zu sehr liebte. Isabelle Huppert setzt ihr nun das liebende Denkmal. Und ein bisschen ist sie selbst eines. Grandios.

VisitorPosted - 25 November 2005 19:9  Show Profile  Email Poster  Edit Message
dpa (deutsche presse agentur):

Isabelle Huppert spielt stets die Einsamen, die Frustrierten und die Hoffnungslosen. Auch bei der Deutschlandpremiere von Claude Régys Inszenierung «4.48 Psychose» stand sie am Mittwochabend in Berlin wieder als verzweifelte Frau auf der Bühne.

Im letzten Stück der britischen Dramatikerin Sarah Kane vor ihrem Selbstmord 1999 rührt sich der französische Filmstar knapp zwei Stunden nicht von der Stelle. Nur mit der Sprache lässt sie den Zuschauer am inneren Drama dieses Menschen teilhaben.

«Komische Rollen ziehen mich nicht an», sagt die 52-jährige Huppert, die hierzulande vor allem aus Filmen wie «Madame Bovary», «Die Klavierspielerin» oder «Zwei ungleiche Schwestern» bekannt ist.

«Frauen lieben das Leben zu sehr»

Dabei finde sie, dass sie durchaus nicht nur depressive Charakter spiele, so Huppert. «Diese Frauen lieben das Leben eher zu sehr. Meine Filme beschreiben die Schwierigkeit zu leben und zu lieben.»

Der französische Altmeister Régy verlangt in seiner Pariser Inszenierung Huppert ebenso wie den Zuschauern im Haus der Berliner Festspiele Ausdauer ab. Die Haare zum Pferdeschwanz gebunden, in Turnschuhen, schwarzer Hose und einem blauen Shirt spricht Huppert frontal zum Publikum.

Die Hände sind zu Fäusten geballt, ab und zu spreizt sie einen kleinen Finger ab, nur einige Male verändert sie die Position ihres Kopfes. Hinter einem Gaze-Vorhang steht der Psychiater (Gérard Watkins) dieser kurz vor dem Selbstmord stehenden Frau.

Geteilte Zuschauer-Reaktionen

Mit monotoner Stimme erzählt die Patientin ihm von ihrem Leid, ihrer Depression, ihrer Angst, ihrer Hoffnungslosigkeit. Diesen intimen, oft quälenden Bericht ertrugen einige der 360 Zuschauer nicht, sie verließen den Saal vorzeitig.

Der Rest des Publikum feierte Huppert am Ende der Vorstellung begeistert. Tatsächlich schafft es Huppert, dass dieser verkopfte Hilferuf keine Sekunde langweilig ist.

Régy hat nur einen Teil der französischen Sätze deutsch übertiteln lassen, das reicht zum Verstehen dieses vertexteten Gefühls von Verlassenheit aber aus. «Es ist eine Reflexion über die Kreatur Mensch», sagt Huppert. «Es ist ein Text, der Emotionen, Liebe und Krankheit spiegelt, er nimmt die Zuschauer mit in Gefilde, die er nicht kennt. Das ist das Starke an dem Stück.»

«Kein Unterschied zwischen Theater und Kino»

Für Huppert, die am Theater auch schon mit Peter Zadek und Robert Wilson zusammen gearbeitet hat, sind die Bühnenauftritte sehr wichtig, wie sie sagt. «Das Theater hat seit 15 Jahren einen sehr wichtigen Platz in meinem Leben», erzählt Huppert. «Ich habe für mich die Grenzen zwischen Theater und Film eingerissen», so die Schauspielerin.

«Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen Theater und Kino. Das ist ein Klischee. Das Wesentliche ist bei beidem die Überwindung des Raumes.» Genau das gelingt ihr bei diesem, in Deutschland seltenen Theaterauftritt mit Bravour. Das Pariser Gastspiel ist im Rahmen des Berliner Festivals »spielzeiteuropa« noch bis zum 27. November zu sehen.

HostPosted - 26 November 2005 14:34  Show Profile  Email Poster  Edit Message
Anyone here, know German and can translate those articles into English? I want to enclose those articles into the archives. Thanks!
ElmexPosted - 26 November 2005 17:39  Show Profile  Email Poster  Edit Message
there are tons of articles in Germany. I will try to translate some, but please be patient!
VisitorPosted - 28 November 2005 9:53  Show Profile  Email Poster  Edit Message
an italian article: http://www.corriere.it

«Disperata sul palco ma la vita mi eccita»
Isabelle Huppert tragica in teatro a Berlino
«In verità sono allegra, senza compromessi»
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BERLINO — Maglietta blu, jeans di pelle nera, Isabelle Huppert ha catalizzato il Berliner Festspiele su 4.48 Psychosis, il dramma cupo di Sarah Kane, l’autrice inglese morta suicida nel ’99 a 28 anni, poco dopo averlo scritto. Con la regia di Claude Régy, sarà in scena il 9 al Teatro Strehler di Milano.
Il tout-Berlin della cultura/spettacolo è lì, in platea, da Schloendorff a Peymann a Ostermeier. Lei è immobile, alza solo il mignolo e gli occhi, qualche volta le braccia. Sembra un attore orientale, massima concentrazione, una guerriera. Snocciola la sua disperazione, mormorando «putain», e liste di tranquillanti. E’ una sorpresa, questa tragicità, per chi l’ha vista sul grande schermo come madame di Ozon, Violette di Chabrol, scandalosa Pianista.
La vera sorpresa, poi, è l’incontro con lei, Isabelle Huppert, giù dal palco, davanti a un bicchier d’acqua naturale, sullo sfondo nostalgico di Unter der Linden. Il suo viso, teso durante l’ora e quarantacinque di delirio lucido di quella donna disperata e pronta al suicidio, diventa quello di una ragazzina con gli occhiali. «Sì, la vita mi entusiasma, mi eccita, sono allegra (non però appena sveglia). Mi piacciono le cose naturali, ma sono perfezionista in tutto. Dico quello che penso, anche parolacce, senza compromessi. Come i personaggi- verità che mi ha insegnato a metter a fuoco Chabrol nel miomestiere».
Il «mestiere» Huppert l’ha scelto all’Accademia d’arte drammatica di Versailles debuttando a 15 anni con Vitez e Hossein in teatro, a 17 nel cinema con Blier. Poi la fama con La merlettaia di Goretta, registi internazionali, 60 film, metà dei quali in retrospettiva a New York con mostra fotografica.
«Sono diventata attrice molto presto e subito. Non so cosa cercavo; sì, certo, esercitare fascino: mi piace molto, ma non quello di un corpo palestrato (odio le palestre) come credono necessario i giovani che vogliono far teatro o cinema, oggi. Io allora al cinema non andavo mai, ancora adesso ho tanti di quei classici da vedere...». I tre nomi di registi che le vengono subito in mente sono: «Chabrol, Ferreri, Antonioni per il cinema; di teatro, Bob Wilson, Peter Zadek e Claude Régy». Spiega che ama «i registi italiani che hanno saputo cambiare l’idea di un’Italia allegrona e gesticolatrice, un po’ paese della cuccagna. Ora avete problemi, però. No, non alludo alla politica non ne voglio parlare. Intendo per il cinema: pochi soldi, tutti alle fiction, no? E gli attori si rovinano ». Quanto ai registi di teatro, «ho lavorato benissimo con un americano, Wilson appunto, ora abbiamo in progetto un’opera e voglio convincerlo a rifare Orlando (1993, dal romanzo della Woolf, ndr.)».
Leggera, minuta, professionalissima, ragazza nata di marzo e signora parigina, gli americani l’hanno adorata nel monologo (nella versione di Régy, c’è però, nascosto dietro cortine trasparenti, lo psichiatra, l’attore Gérard Watkins) della Kane perché, spiega, «gli americani sono degli entusiasti, non cerebrali come noi, si appassionano. E a me piace tanto pensare ma anche ridere, in compagnia». I suoi personaggi, a teatro, sono donne forti... «No, non sono neppure donne a volte, da Medea a Orlando che è anche uomo, sono mondi, prototipi: a teatro riempi spazi immaginari ed è sulla forma che devi lavorare, per cambiarla, sperimentare, visto che esiste da tremila anni. Al cinema sono creature che fai vivere tu la prima volta. Ti dà un senso di potenza. In scena invece non sono mai troppo cosciente ».
Isabelle è madre di tre figli avuti dal marito, il produttore Shammah: una ragazza di 22 ani, uno di 17, uno di 8. In molti si sono chiesti se non abbia provato imbarazzo interpretando nel film di Honoré, Ma Mère, una madre che inizia al sesso il figlio, l’attore Louis Garrel... «Per niente. L’incesto è un tema piuttosto frequente nell’arte, no? E poi non faccio mai la morale a un personaggio, non gli chiedo se è buono, bravo. Lo faccio bene e basta. Allora sono contenta».
Claudia Provvedini
27 novembre 2005

ElmexPosted - 29 November 2005 10:16  Show Profile  Email Poster  Edit Message
E-mail didn't work, so I put the article here first the original German article then the translated one.

Die Eiskönigin: Isabelle Huppert spielt Theater in Berlin
Von Irene Bazinger

25. November 2005 Wenn die Götter reisen, können sie sich schon einmal verspäten, ohne daß ihnen jemand gram wäre. Eine zarte Viertelstunde wartete das Publikum denn auch so gespannt wie geduldig auf den ersten Theaterauftritt von Isabelle Huppert bei den Berliner Festspielen. Schließlich wurde es langsam dunkel und nach ein paar Minuten völliger Finsternis plötzlich sehr hell. Dann stand sie im leuchtend blauen T-Shirt zur schwarzen Lederhose auf der leeren Bühne, unbewegt und nahe den Zuschauern.

Wohin immer sie die bald tränenden Augen richten mochte, wahrzunehmen schien sie nichts. Als reine Introspektion hat Claude Regy, der asketische Regie-Altmeister, 2002 in Paris Sarah Kanes letztes Stück „4.48 Psychose” zelebriert. Und weil es das Festival „Spielzeit Europa” so fügte, gastierte die radikal unspektakuläre Inszenierung nun auch noch in der deutschen Hauptstadt.

Fragmente eines Untergangs

Kanes Fragmente eines Untergangs, in denen sich ein zerrüttetes Subjekt erfolglos zu stabilisieren versucht, ehe es sich tötet, hat kein Personenverzeichnis. Seit der Uraufführung 2000 in London wird die lakonisch-pathetische Verfalls- chronik meist auf mehrere Darsteller verteilt, um den Zusammenbruch aus wechselnden Perspektiven erzählen zu können.

Wenn aber Isabelle Huppert mitmacht, kann daraus getrost ein Monolog werden. Als Stichwortgeber taucht hinter dem raumhohen, schimmernden Gazevorhang manchmal schemenhaft Gerard Watkins als Arzt auf. Alles andere vollbringt die Großmeisterin in der Kunst des Understatements allein: Die „Solosymphonie”, von der Kane spricht, wird durch die Huppert Gestalt. Während die exquisiten Lichtstimmungen ihrem aus 1001 Filmen bekannten Gesicht verblüffend neue Facetten abgewinnen, erfüllt sie das Haus der Berliner Festspiele mit einem markanten, klangvollen Singsang.

Okkulter Manierismus

Wie eine Megäre etwa bezichtigt sie sich übler Verbrechen und steigert sich kreischend in Rachephantasien; wie ein Schulmädchen sagt sie, die Vokale genüßlich ausdehnend, rhythmisch Zahlenreihen auf oder leiert sich einen Ausdruck der Hoffnungslosigkeit („Pas d'espoir”) zum tröstlichen Kehrreim zurecht. Mit hellwacher Distanz und souveränem Formwillen entwickelt sie einen geradezu okkulten Manierismus der Leidenschaften.

Die Füße in schwarzen Turnschuhen fest auf dem Boden, die Arme eng am Körper, verharrt Isabelle Huppert knapp zwei Stunden lang reglos auf der Bühne. Selten dreht sie den Kopf oder setzt den kleinen Finger oder auch kurz mal die Hände ein. Am Schluß sind ihre Beine eingeschlafen, sie kann nur ungelenk abgehen: eine Eiskönigin, die sogar aus Kanes schockgefrorenem Psychodrama Musik zaubert.

Text: F.A.Z., 25.11.2005, Nr. 275 / Seite 35

Translation
Ice qeen Isabelle Huppert is playing theatre in Berlin

When gods are late you forgive them. And so the audience in Berlin waited patiently and eagerly for 15 minutes until Isabelle Huppert appeared on the stage of the "Berliner Festspiele" for the first time. Eventually the lights turned out and after a few minutes of total darkness there she was – wearing black leather pants and a shining blue t-shirt, she was standing immovable on the empty stage very close to the spectators.

Wherever her eyes, soon filled with tears, looked, she didn't seem to perceive anything. Claude Regy, the ascetic master, created Sarah Kane’s last piece of work 2002 in Paris as a pure introspection. And now this radically unspectacular production is presented at the “Spielzeit Europa”-festival in the German capital.

Fragments of a decline

Kane's fragments of a decline don't have a person register. Since having it’s premiere in London in 2000 the decay has mostly been played by several actors in order to express the breakdown from different perspectives.

But when there’s Huppert it can very well become a monologue. Sometimes Gerard Watkins appears as her doctor behind a shimmering scrim. Everthing else the genius of understatement achieves on her own. The “solosymphony” Kane is talking about is becoming alive through Isabelle Huppert. The exquisite light changes bring astonishingly new facets of her face known from her 1001 movies. She is able to fill the auditorium with her striking sonorous singsong.

Occult style

Like a hellcat she is blaming herself for the worst crimes, shouting phantasies of revenge. She’s counting rhythmical numbers like a schoolgirl or is creating an expression of hoplessness (“pas d’despoir”) as a compforting chorus. With a wideawakening distance and a superior will to form she developes an occult style of passion.

Isabelle Huppert is standing immovable on the stage for almost two hours, wearing black sneakers, her feet steady on the ground. Seldom she moves her head or her little finger. In the end she can only stagger from the stage – an ice queen who is able to create magic music even of Kane’s frozen psychodrama.

By Irene Bazinger
Text: F.A.Z. (Frankfurter Allgemeine Zeitung), 25.11.2005, Nr. 275 / Seite 35

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